Jörg Bensberg

Landrat des Landkreises Ammerland a.D. 

Jörg Bensberg über den Park der Gärten

2002 - Landrat des Landkreises Ammerland

Über den Park der Gärten

Als um den Jahreswechsel 1999/2000 herum bekannt wurde, dass das Land Niedersachsen ernsthaft darüber nachdachte, erstmalig eine Landesgartenschau auszurichten, und das dann in Bad Zwischenahn, gab es bei der Kreisverwaltung erst einmal Zurückhaltung. Und auch ein gemeinsamer Besuch mit dem damaligen Vertreter des Zwischenahner BGM Osmers, Herrn Eiskamp, bei der Stadt Duderstadt, die gerade das Projekt "Natur im Städtebau" durchgeführt hatte, brachte noch nicht so die richtige Euphorie. Aber die klare Beschlusslage des Zwischenahner Gemeinderates brachte auch den Ammerländer Kreistag dazu, sich mit eigenen Projekten, den sog. Landschaftsfenstern, in den übrigen vier Gemeinden und der Stadt Westerstede mit einem Aufwand in Höhe von ca. 500.000,- DM zu beteiligen.

Mit einem jungen, frischen und hoch motivierten Team um die Gemeindemitarbeiter Christian Wandscher, Diana Rolfes und Martin Wichelmann, dem ausgezeichneten Planer Herrn Adam und einem sich über die LWK und den BdB stark einbringenden Berufsstand nahm das Projekt Landesgartenschau schnell Fahrt auf, wobei die Kreisverwaltung an verschiedenen Stellen intensiv beteiligt wurde. Stets stellte sich uns dabei die Frage, wie hoch denn am Ende wohl die ungedeckten Kosten für die Gemeinde ausfallen würden.

An einem kühlen Tag Anfang April war es dann so weit: vor einer großen Anzahl geladener Gäste wurde die LGS Zwischenahn vom damaligen MP Sigmar Gabriel eröffnet. Beim anschließenden Rundgang über das Gelände musste MP Gabriel dann auf vielfache Aufforderung der sehr zahlreich anwesenden Journalisten beim Kinderspielplatz die lange Rutsche ausprobieren. Dabei hoffte wohl so mancher, dass Gabriel ob seiner Leibesfülle in der Rutsche stecken bleiben würde. Dieser nahm die Herausforderung jedoch cool an, kam ohne Probleme durch und rächte sich dann beim Blindenbrunnen. Dort ließ er sich nämlich von GF Wandscher die verborgenen Auslöseknöpfe für die Wasserspiele zeigen, platzierte die bilderhungrige Journalistentruppe auf die andere Seite, drückte mit diebischer Freude auf die Knöpfe und brachte den Journalisten damit eine kleine Dusche bei.

War die LGS Anfang April jahreszeitlich bedingt bis auf die vielen gepflanzten Frühjahrsblüher noch nicht ganz so grün und bunt, so wurde sie mit der Blüte der Rhodos und dem Aufblühen der restlichen Natur zu einer prächtigen Garten- und Parklandschaft. Das Hauptproblem bestand nun darin, den starken Besucherverkehr zu leiten und ausreichend Parkraum zur Verfügung zu stellen. Da sehr viele Organisationen und Verbände die LGS dazu nutzten, ihre Veranstaltungen dort durchzuführen, hatte ich das große Vergnügen, viele schöne berufliche Termine bei der LGS wahrnehmen zu dürfen. Dadurch geschult konnte ich als "fachlich qualifizierter Führer" auch bei den vielen privaten Besuchen bei meiner Familie glänzen. Es war ein Genuss, dieses so wunderbar gestaltete Gelände über die Veränderungen im Laufe des halben Jahres der LGS zu erleben, die Freude und Zufriedenheit der Gäste zu spüren und mit jedem Tag der verging festzustellen, dass die LGS ein großer (auch wirtschaftlicher) Erfolg werden würde.

Nach einer wunderbaren Abschlussveranstaltung bei bestem Wetter konnte man sich nur bei dem Mut von BGM Osmers und dem Zwischenahner Gemeinderat bedanken, dieses Wagnis eingegangen zu sein und uns allen, den Ammerländerinnen und Ammerländern wie den Gästen aus Nah und Fern, diese tolle LGS präsentiert zu haben. Da mir jemand bei dieser Abschlussveranstaltung, die für uns Ammerländer auf dem Gelände der Lehr- und Versuchsanstalt begann, zusicherte, dass man abends auch wieder direkt zu seinem dort geparkten Fahrzeug kommen könne, stellte ich mein Auto also auch dort ab. Leider stellte sich abends aber heraus, dass es sich um eine falsche Auskunft gehandelt hatte; das Tor war verschlossen. Es gab also zwei Alternativen: einmal gaaanz außen herum (gefühlt 2 Kilometer) quer durch Rostrup zurück zum Gelände der Lehr- und Versuchsanstalt oder über den Zaun klettern; kurzerhand entschied ich mich für die zweite Alternative. Der Anzug ist dabei nicht beschädigt worden, gesehen hat mich niemand und dieser Aus- bzw. Einbruch ist inzwischen verjährt.

Weil sich alle darüber einig waren, dass dieses einzigartige Gelände der LGS nach ihrer Beendigung auf keinen Fall wieder zurück gebaut werden durfte, war es für den Ammerländer Kreistag auch keine Frage, dass er bereit war sich an der Nachnutzung des Geländes durch den Park der Gärten zu beteiligen. Und auch wenn wir bezüglich der Besuchererwartung ob der Erfahrungen mit der LGS zu Anfang etwas zu euphorisch an den Park der Gärten herangegangen sind, so war diese Entscheidung mindestens genauso gut und richtig, wie die damalige Entscheidung der Zwischenahner, die LGS 2002 auszurichten. Heute kann und mag ich mir Bad Zwischenahn und das Ammerland ohne der Park der Gärten nicht mehr vorstellen; welch grandiose Leistung aller Beteiligten!

März 2022, Jörg Bensberg