Dr. Dankwart Seipp

Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Bad Zwischenahn a.D.

Dr. Dankwart Seipp über den Park der Gärten

2002 - Leiter Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Bad Zwischenahn

Erinnerungen Gartenkulturcentrum – Landesgartenschau

Vor nunmehr 25 Jahren konnten im Mai 1997 Walter Hinrichs, Edewecht, Engelbert Lüske, Bawinkel und Hermann Davids, Ocholt, als Vertreter des Gartenbaus im Vorstand der LWK Weser-Ems die Landwirte im Vorstand der Kammer überzeugen, dass in Bad Zwischenahn ein Gartenkulturcentrum eingerichtet werden solle. Wesentliche Ziele dieses Parks waren die Erhaltung und der Ausbau der Pflanzensammlungen der LVG, Schaffung eines „Schaufensters“ für den Gartenbau der Region sowie eine fachliche Grundlage für die Ausbildung im Gartenbau und für eine geplante Niedersächsische Gartenakademie.

Mit im Boot der Landwirtschaftskammer waren der Landkreis Ammerland, die Gemeinde Bad Zwischenahn und die Gartenbauverbände, die sich bei den Investitions- und Folgekosten beteiligten. So hatten die Gartenbauverbände zugesagt, sich mit einem Betrag von 700.000,- DM zu beteiligen. Hiervon übernahmen die Baumschulbetriebe 400.000,- DM, die in den Folgejahren durch die Lieferung von Pflanzen und Gehölzen für den Park aufgebracht wurden.

Nach dem Ankauf von ca. 11 ha Gelände konnten die konkreten Planungen beginnen. Mit Adam, Hannover, Flemmig, Oldenburg, Schreckenberg, Bremen, und Winkler, Hude, wurden vier namhafte Planungsbüros um einen Gestaltungsentwurf auf der Grundlage des Förderantrags gebeten. Unter Vorsitz des Landschaftsarchitekten Prof. Günter Nagel von der Universität Hannover wurde der Entwurf von Adam ausgewählt, weil er den Vorstellungen der Beteiligten am nächsten kam. Diesen Tag, den 3. Juni 1998 werde ich nicht vergessen, weil sich an diesem Tag auch das schreckliche Eisenbahnunglück von Eschede ereignete.

Im Herbst 1999 war es dann so weit, die Bauarbeiten konnten beginnen. Die Ausführung der Arbeiten lag in Händen der Firma Dörries aus Kreiensen. Zu einem schönen Park gehören auf jeden Fall auch größere Wasserflächen. Im mittleren Teil des Geländes war immer ein sehr nasser Bereich, wo insbesondere im Winter meist ein kleiner See vorhanden war, umgeben von schönen alten Weiden. So war es naheliegend, dass Adam hier einen Naturteich eingeplant hatte, für den nach unserer Vorstellung der vorhandene Teich nur etwas vertieft und erweitert werden musste. Als die Bagger aber das Teichareal vergrößerten und vertieften, stießen sie bald auf Sand statt auf Lehm oder Ton und das Wasser versickerte. Ein Naturteich war so nicht möglich. Als Abdichtung wurde daraufhin der Einbau von Tonplatten gewählt, bei dem die Firma Dörries über langjährige Erfahrung verfügte. Die erforderlichen Mehrkosten in Höhe von mehreren 100.000,- DM führten dazu, dass die veranschlagten Baukosten für das Gartenkulturcentrum deutlich überschritten wurden, so etwas hatte es bei Baumaßnahmen der Kammer bis dahin nicht gegeben. Ohnehin bereitete das Oberflächenwasser auf dem Grundstück immer wieder Probleme. Der Teich diente als Speicherbecken für Drainagewasser, er hatte aber keinen Abfluss. So versuchte der Planer Adam das Überschusswasser mit einer großzügig geplanten Grabenlandschaft in Richtung Golfplatz loszuwerden. Aber es gab wasserrechtliche Probleme, das Wasser durfte über diesen Weg nicht abfließen. Diesem Umstand verdanken wir jedoch das Ahorntal, ein Beweis für den Ideenreichtum von Adam. Heute fließt das Wasser über das Gelände des Bau- ABC ab.

Trotz aller Schwierigkeiten war es am 18. Mai 2000 so weit, dass der Park für Besucher geöffnet werden konnte. Natürlich sollte ein Eintrittsgeld erhoben werden, um den Park vor Vandalismus zu schützen und eine bescheidene Einnahme für die laufenden Kosten zu haben. Geld für ein Kassenhaus gab es nicht. Aber bei der Kammer war ein alter Wohnwagen vorhanden, der zuvor für die Milchwerbung genutzt wurde. Der wurde an den Eingang gestellt und unser Kassenpersonal hatte ein Dach über dem Kopf. Ein selbst gebasteltes Kästchen diente der Ablage von Eintrittskarten. Für mehr als 25.000 Besucherinnen und Besucher war das in diesem Jahr der Zugang in einen wunderbaren Park. Mit von der Partie war damals schon Frau Ilona Osterloh, die den Park über viele Jahre an der später viel eleganteren und komfortableren Kasse unterstützt hat.

Die Landesgartenschau im Jahr 2002 war ein großer Erfolg. Ein wesentlicher Grund dafür war die breite Darstellung von Pflanzen und Gehölzen für den Garten in attraktiven Beispielsgärten, die auch für Besucher interessant waren und als Ideengeber dienten. Damit war das Ziel der Planer erreicht, dass sich die Gartenbaubetriebe der Region mit ihren vielfältigen Produkten und Leistungen vorstellen konnten. Einen weiteren Anteil am Erfolg der Landesgartenschau hatte auch das Angebot der LVG Bad Zwischenahn, den Versuchsbetrieb für die Besucherinnen und Besucher zu öffnen. Wo gab es sonst die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Pflanzenproduktion zu schauen und Informationen über die aktuellen Neuheiten bei Beet- und Balkonblumen zu bekommen? Auch heute noch können die Gäste im Park einige Körversuche anschauen und einen Blick durch die Heckenfenster auf die blühende Vielfalt auf dem LVG-Gelände werfen. So ist das gärtnerische Element immer noch die wichtigste Grundlage für den Erfolg des Park der Gärten.
 

März 2022, Dr. Dankwart Seipp