Piepmatz & Co.

Heimische Vogelwelt – Sammlung Wilts

Die neue Vogelausstellung "Piepmatz & Co." im Park der Gärten beleuchtet die Lebensräume der Vögel, die hier heimisch sind bzw. waren, und bringt den Besuchern auf diese Weise die hiesige Vogelwelt näher.

Einige Vogelarten werden hier immer seltener. Ihr Lebensraum ist auch durch den Eingriff der Menschen bedroht. In der modernen Ausstellung finden sich Tipps, was jeder tun kann, seinen eigenen Garten vogelfreundlicher zu gestalten, damit sich  Vögel bei uns wieder wohl fühlen und wir ihnen ein Zuhause bieten - in Gärten, Parks, Wäldern, Wiesen, Feldern, Mooren und Gewässern.

In der Ausstellung bekommt man einen imponierenden Einblick in die über 650 Vogel-Exponate umfassende Sammlung.
 

von links: Christian Wandscher (Geschäftsführer des Park der Gärten), Georg Wilts (Sammler und Präparator) und Dr. Ralf Strewe (Biogeograph und wissenschaftlicher Berater) präsentieren Habicht, Blässgans und Rohrdommel als erste Exponate von „Piepmatz & Co.“ im Park der Gärten.
 

Die Einstimmung auf die Vogelausstellung beginnt bereits im Schauraum.
An der Decke scheint ein abstrahierter Vogelschwarm in den Ausstelllungsraum zu fliegen.
Folgen Sie dem Vogelschwarm in die Ausstellung "Piepmatz & Co., entdecken Sie die Besonderheiten und Bedürfnisse von Vögeln aus der Region.

Das Ammerland bietet nicht nur mit seinen Wiesen, Wäldern, Mooren und Seen vielfältige Lebensräume für Vögel, auch die Parks und Gärten spielen für einige Vogelarten eine große Rolle. Das trifft sowohl auf den Park der Gärten am Zwischenahner Meer als auch auf Ihren eigenen Garten zu.

Die Vogelpräparate-Sammlung von Georg Wilts gibt uns die Möglichkeit, die heimischen Vögel einmal aus der Nähe anzusehen und ihre bevorzugten Lebensräume aus anderer Perspektive zu betrachten. Aus einer Perspektive, die den Schutz dieser faszinierenden Vogelwelt in den Blick nimmt: Was ist wichtig für die Vögel, die hier leben? Welche Möglichkeiten haben wir, sie zu unterstützen? Welche Fehler können vermieden werden, um nicht unbedacht Nahrung und Schutzräume zu zerstören?

Je mehr wir über die Bedürfnisse der Vögel, zum Beispiel bezüglich ihrer Nahrung und Brutplätze wissen, desto eher lassen sich Schutzmaßnahmen umsetzen.
Einige davon erfordern wenig Mühe, andere können zum Beispiel Landwirte vor größere Herausforderungen stellen und Einschränkungen bedeuten.

Es lohnt sich genau hinzuschauen und abzuwägen, denn die Natur – unsere Umwelt – gehört nicht uns Menschen allein. Die Artenvielfalt zu erhalten, muss unser Ziel sein, heute und in Zukunft.

Viel Freude beim Entdecken und spielerischen Erforschen dieser Ausstellung!

Da sich die Landschaft in den letzten Jahrhunderten bei uns stark verändert hat, zunehmend besiedelt ist und von der Landwirtschaft in weiten Teilen intensiv genutzt wird, haben einige Vögel sich an diese Bedingungen angepasst. Sie nutzen auch die besiedelten Räume zur Nahrungssuche und Fortpflanzung und bauen ihre Nester in Siedlungen, Parks und Gärten.

Der Mensch hat durch diese unmittelbare Nähe die Möglichkeit, die Vögel zu beobachten und sich an ihnen zu erfreuen. Es liegt nun an uns, den Vögeln Raum zu lassen und eine Umgebung zu schaffen, die ihnen gute Voraussetzungen bietet.

Etliche der in diesem Bereich ausgestellten Vögel sind Ihnen vielleicht bekannt: In der ersten Vitrine links finden sich die häufigsten Gartenvögel der Region. In Richtung Waldrand tauchen rechts schon einige Greife auf.

Waldflächen bieten den heimischen Vögeln wichtige Rückzugsräume. Je abwechslungsreicher die Wälder strukturiert sind, desto mehr Vogelarten siedeln sich hier an, finden Nahrung und passende Brutplätze. Einige Arten sind relativ anspruchslos, andere brauchen bestimmte Voraussetzungen, um sich wohlzufühlen.

Da es im Ammerland nur noch kleine Waldflächen gibt, ist deren Beschaffenheit für Vögel umso wichtiger: Gibt es ausreichend Sing- und Trommelplätze? Liegt Totholz als Nahrungsbiotop am Boden? Erreicht genügend Licht den Waldboden, damit sich eine Kraut- und Strauchschicht ausbilden kann? Ganz wichtig ist auch der gestufte Bereich des Waldrands, den viele Vögel nutzen. Und nicht zuletzt: Ruhe! Insbesondere nachtaktive Arten leben im Wald und ziehen sich tags zurück.

Haben Sie einige der ausgestellten Arten schon im Wald gesehen?
Schauen Sie genau hin!

Greifvögel kommen in verschiedenen Lebensräumen vor. In Niedersachsen brüten nur der Wanderfalke und die Kornweihe. Extrem selten kommen im Winter der Gerfalke und die Schneeeule vor. Merlin, Raufußbussard und Rotfußfalke sieht man hier auf ihrem Zug gen Süden oder überwinternd. Der Steinadler ist in Niedersachsen ausgestorben, er brütet in Deutschland nur noch in den Alpen.

Greife sind störungsempfindlich und benötigen weiträumige Gebiete mit ungestörten Brutmöglichkeiten, auf denen ausreichend Beutetiere leben. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung sind solche Flächen selten geworden. Auch zahlreiche Gefahren wie illegale Verfolgung und Ver giftung oder Abschuss und Vogelschlag an Windkraftanlagen erschweren Greifen das Überleben.

Wiesen und Felder stellen im Ammerland die größten Flächen und werden heute von der Landwirtschaft intensiv genutzt. Weidende Kühe sind die Ausnahme, das Grünland dient meist als Mähwiese. Vor allem die Bodenbearbeitung der Äcker und das Mähen macht es den am Boden brütenden Vögeln schwer, sichere Orte für ihre Nester zu finden.

Zwar gibt es viele Maßnahmen, die zum Schutz der Bodenbrüter durchgeführt werden können, allerdings setzen die Landwirte diese freiwillig nur selten um. Hier ist ein Umdenken erforderlich.

Ursprünglich waren Moore im Ammerland großflächig vertreten,heute kommen sie nur noch in Naturschutzgebieten vor. Sehr wichtig ist deshalb ihr Erhalt als weitgehend ungenutzte Bereiche. Viele der hier ausgestellten Wiesen- und Feldvögel waren noch vor wenigen Jahren häufig zu sehen, heute gehen die Bestände stark zurück.

Gewässer bieten mit ihrer natürlichen Ufervegetation einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Schilf und Röhricht liefern gute Verstecke, Kiesflächen und bewachsene Uferbereiche werden zum Nestbau genutzt. Das Nahrungsangebot ist groß, denn auch eine Vielzahl an Insekten fühlt sich hier zu Hause. Gerade für Zugvögel und Wintergäste sind größere stehende Gewässer von Bedeutung, hier können sie ausruhen und ausreichend Futter finden.

Naturbelassene Uferbereiche an Gewässern sind allerdings rar geworden, wenn wirtschaftlichen Interessen und Freizeitaktivitäten wie Baden, Angeln und Boot fahren hier Vorrang eingeräumt wird. Diese Lebensräume für Vögel und andere Tiere zumindest in Teilen zu erhalten oder zu renaturieren, ist eine wichtige Aufgabe.

Die ausgestellten Vögel in diesem Bereich können Sie vor allem an Gewässern entdecken.

Eiersammlungen haben eine lange Tradition. Vor 1900 war das Eiersammeln ähnlich beliebt wie später das Briefmarkensammeln. Jugendliche begriffen das Ausrauben von Nestern als eine Art Sport. Umso vielfältiger die Ausbeute der Eier, desto besser. Auch das Sammeln von Eiern zum direkten Verkauf und Verzehr galt als Broterwerb. Die Nachfrage nach Eiern von Bäckereien und Gastronomien war groß. Diese wurden damals nicht nur von Bauern beliefert.

Das Sammeln von Eiern in der Natur ist seit 1979 Geschichte und gesetzlich verboten. Das Naturschutzgesetz regelt im Einzelnen, dass das absichtliche Zerstören oder die Beschädigung von Nestern und Eiern, sowie die Entfernung von Nestern untersagt ist. Auch das Besitzen dieser Eier, sogar im leeren Zustand, ist nicht erlaubt. Das absichtliche Stören der Vögel während der Brut- und Aufzuchtzeit gefährdet die Tiere und ihre Nachkommen. Deswegen ist auch Nestfotografie verboten.

Eiersammlungen, die vor 1979 zustande gekommen sind, haben eine Lizenz, die bestätigt, dass sie rechtmäßig im Besitz des Sammlers sind.

Die Sammlung von Georg Wilts ist so groß um in dieser Ausstellung Platz zu finden. Sie umfasst circa 670 Vogelpräparate. Die meisten Präparate finden sich deshalb in diesem Schaudepot, das mit Führung ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Der Sammler ist von Beruf zu Zoologischer Präparator, er hat alle hier gezeigten Vögel eigenhändig präpariert. Zu diesem Zweck benötigt er die Haut mit dem Gefieder, Schnabel, Beinen und Füßen des Vogels. Der so genannte Balg kann auch platzsparend gelagert werden. Viele wissenschaftliche Sammlung bewaren einen  Großteile ihrer Sammlung auf dieser Weise.

Die hier gezeigten Präparate enthalten außerdem den Schädel sowie die Flügel- und Beinknochen. Die Haut säubert der Präparator nach dem ausnehmen der Vögel von Fleischresten. Mit Gerbstoffen und einem Mittel gegen Schädlingsbefall wird der Balg konserviert. Am Ende kann der Balg über einen künstlichen Körper aus Holzwolle gezogen werden. Die Augen sind aus Glas und werden zugekauft.

Von 1957-2011 hatte Georg Wilts die Sammlung in seinem Betrieb in Rostrup untergebracht. Dort bekam sie regelmäßig Besuch: Die Jägerschaft nutzt die Sammlung von Georg Wilts sei langem, um angehenden Jäger auf die Prüfung vorzubereiten. Hier können die Tiere aus der Nähe betrachtet werden. Merkmale studiert und Arten verglichen werden.

Wir hoffen, dass Ihnen die Ausstellung gefallen hat und Sie mit neuen Ideen oder aufgefrischtem Wissen in den Park zurückgehen. Vielleicht haben die Spiele und Informationen Ihnen einen
anderen Blick auf die Vogelwelt eröffnet, vielleicht konnten Sie erstmals einen bestimmten Vogel aus der Nähe ansehen, der in der Natur nur noch selten bei uns vorkommt. Ganz bewusst wird die Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel in allen Bereichen thematisiert, in ihr drückt sich auch die Schutzverantwortung aus, die wir alle der Natur und Umwelt gegenüber haben.

Womöglich nehmen Sie die Vögel in Ihrem Umfeld nun stärker wahr, sehen und hören mehr von diesen faszinierenden Lebewesen. Entdecken Sie Ihre Umgebung mit geschärften Sinnen neu – es lohnt sich!