Ernst Pagels



Am 9. Oktober 1913 erblickte Ernst Pagels in Stockelsdorf bei Lübeck das Licht der Welt. Seine Eltern waren 1910 aus Leer in den schleswig-holsteinischen Ort gezogen, um eine Kunst- und Handelsgärtnerei zu betreiben.
Wechselvolle Kindheit
Der Beginn des 1. Weltkrieges durchkreuzte der jungen Familie alle weiteren Lebensplanungen. Der Vater, Ernst Martin Pagels, kam als Soldat in den Kriegswirren um. Die Mutter kehrte, nun allein auf sich gestellt, mit der zwei Jahre älteren Schwester nach Leer zurück. Der eineinhalbjährige Ernst Pagels kam zu seinen Großeltern nach Lelkendorf in Mecklenburg.
In der malerischen Landschaft Mecklenburgs mit ihren herrlichen Buchenwäldern aufgewachsen, entdeckte Ernst Pagels schon als Kind seine Liebe zur Natur und den Pflanzen. Nach dem Tod seines Großvaters musste er die liebgewordene Gegend verlassen und zog im Alter von zehn Jahren zu seiner Mutter nach Leer.

Klarer Berufswunsch: Gärtner
Gegen den Willen seiner Mutter, die ihn lieber als Lehrer gesehen hätte, begann er 1928 eine Gärtnerlehre in Leer. „Ich will Gärtner werden und nichts anderes,“ hatte er damals zu seiner Mutter gesagt. In dem “gemischten“ Lehrbetrieb wurden Cyclamen, Primeln und Chrysanthemen angebaut, aber auch Gurken und Tomaten sowie einige Staudenkulturen. Auf diese Pflanzengruppe und ihre vielfältigen Verwendungsmög­lich­keiten wurde der junge Lehrling durch die Lektüre verschiedener Artikel neugierig gemacht. Besonders der Name Karl Foerster, Staudengärtner, -züchter und Gartenschriftsteller, wurde ihm als Verfasser interessanter Pflanzenartikel ein Begriff. In Ernst Pagels erwachte der starke Wunsch, eines Tages bei Karl Foerster in Bornim zu arbeiten.
Lehr- und Wanderjahre
Nach der Gärtnerlehre besuchte Ernst Pagels die Gärtnerlehranstalt in Oranienburg bei Berlin und ließ sich zum Gartenbautechniker ausbilden. Nach drei weiteren, unter Gärtnern damals durchaus üblichen Lehr- und Wanderjahren in verschiedenen Gartenbaubetrieben, bekam er zum Frühjahr 1937 in der Foerster-Gärtnerei in Bornim eine Anstellung. Der Betrieb setzte sich aus den drei Einrichtungen der Gärtnerei, der Gartenausführung und des Planungsbüros zusammen und galt als Wallfahrtsort des gärtnerischen Nachwuchses. In allen drei Bereichen wurde der junge engagierte Ernst Pagels eingesetzt. Schon nach zwei Jahren arbeitete er im Planungsbüro und wurde mit der Abwicklung einzelner Planungsprojekte betreut. Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges und der Einziehung zum Militärdienst im Sommer 1939 war die Tätigkeit in der Gärtnerei Karl Foerster nur kurz.
Trotzdem bezeichnete Ernst Pagels die Zeit in Bornim als wertvolle und lehrreiche Jahre, stark geprägt durch die Person Karl Foersters. Mit dem Fundament des während seiner Tätigkeit in Bornim gewonnenen reichen Erfahrungsschatzes, wagte Ernst Pagels nach Beendigung des Krieges den Weg in die Selbstständigkeit.
Staudengärtnerei Pagels - ein Begriff
1949 begann er auf dem großelterlichen Hof in Leer, die Kunst- und Handelsgärtnerei Pagels aufzubauen. Alle drei bei Foerster erfahrenen Tätigkeitsfelder, die Gar­ten­ge­staltung und -ausführung sowie die intensive züchterische Arbeit, wurden ebenfalls in dem Betrieb zusammengeführt. Bei der Bewirtschaftung lehnte er von Anfang an Pflan­zen­schutz- und Kunstdünger kategorisch ab.
Ernst Pagels hinterlässt als Lebenswerk über 140 neue Staudenzüchtungen. Sein züchterisches Wirken wurde mit vielen nationalen und internationalen Preisen anerkannt. Bewährte und ausgezeichnete Pagels-Züchtungen sind beispielsweise Salvia nemorosa „Ostfriesland“ oder „Blauhügel“ (Gartensalbei), Epimedium perralchicum „Frohnleiten“ (Elfenblume) oder Miscanthus sinensis „Malepartus“ (Chinaschilf). Die züchterische Arbeit von Ernst Pagels trägt somit wesentlich zur Bereicherung des Staudensortimentes in Deutschland bei.
An „seine“ Stauden stellte er hohe Anforderungen, und es dauerte Jahre der Beobachtung bis er sich sicher war, das eine neue Sorte „getauft“ und in den Handel und somit in die Gärten gelangen durfte.
Auch zukünftig werden die Staudenzüchtungen von Ernst Pagels für die Gartengestaltung unentbehrlich sein und lassen die Natur, wie es Karl Foerster formulierte, „eine wunderbare Sprache reden“!

Staudengärtner mit Herz und Seele - am 16. Januar 2007 verstarb Ernst Pagels

 
Autorin dieses Beitrags ist Elke Schwender (im Bild links).

Die Diplom-Ingenieurin für Grünplanung und Gartendenkmalpflege hat den Ernst-Pagels-Garten im Park der Gärten kürzlich im Auftrags des Parks durch Nachpflanzungen "aufgefrischt".
Auch die umfassende Beschilderung der Pflanzen wurde bei dieser Gelegenheit überprüft und erneuert.


Hier (clicken!) kommen Sie direkt zum Ernst-Pagels-Garten im Park der Gärten (Mustergarten 35)